
Biozid-Produkte, insbesondere in ihrer Anwendung als Desinfektionsmittel stehen unter Verdacht das weltweit zu beobachtende Phänomen abnehmender Wirksamkeit und ausbleibender Behandlungserfolge bei der Anwendung von Antibiotika mit zu verursachen. Die Entwicklung zunehmend widerstandsfähiger Krankheitserreger ist ein Hauptproblem der Medizin im Kampf gegen bakterielle Infektionen. Daher veröffentliche das „Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR)" seinen Bericht zu diesem Thema.
Bakterien können eine ganze Reihe ähnlicher Abwehrmechanismen gegenüber Antibiotika und Bioziden einsetzen und somit bilden sich Kreuzresistenzen. Der Selektionsdruck durch Biozid-Produkte (Wirkstoffe und andere chemische Komponenten) kann dazu führen, dass die Mikroorganismen laufend neue Überlebensstrategien entwickeln. Der horizontale Gentransfer, die Verbreitung mobiler genetischer Elemente (die mehrere Resistenzgene enthalten können) und die Bildung sogenannter Biofilme (ein Zusammenschluss von Mikroorganismen auf Oberflächen, der sie um ein Vielfaches unempfindlicher gegenüber schädigenden Einflüssen macht) sind die Hauptrisikofaktoren für die Entwicklung von Kreuzresistenzen gegenüber Antibiotika und Bioziden.
Der Bericht listet als eine Ursache für die zunehmende Anpassung/Resistenz die Anwendung von Biozid-Produkten im Haushalt. Daher solle ihr Einsatz auf das notwendige Ausmaß reduziert werden. Generell ist der Einsatz von Biozid-Produkten zur der Vermeidung von Infektionen und zur Sicherung hoher Hygienestandards jedoch unbestritten.
Angesichts des zunehmenden Einsatzes von Biozid-Produkten in allen Bereichen und der steigenden Anzahl antibiotika-resistenter Bakterienarten hat die SCENIHR die Erhebung von Daten und die Durchführung von Untersuchungen zu folgenden Aspekten als besonders dringend erachtet:
1) Quantitative Daten zur Exposition, Verbreitung von Resistenzgenen, Änderung der Anzahl der Mikroorganismen nach Einwirkung, mögliche Interkationen/Synergien durch Bestandteile des Biozid-Produktes;
2) Entwicklung standardisierter Verfahren zur Beurteilung des Risikos, ob ein Biozid-Produkt die Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika und Bioziden hervorrufen oder fördern kann. Danach sollen Monitoringprogramme etabliert werden, die das Ausmaß der Resistenzen und Kreuzresistenzen für alle Anwendungsbereiche von Bioziden feststellen.